Junger Mann in Zunftkleidung und mit Schutzhelm schaufelt Beton aus einer Schubkarre in eine hohe Schalung für ein Betonteil.
WorldSkills Germany/Frank Erpinar

Zwei Medaillen für die Region

Steinmetz Julian Wally und Stahlbetonbauer Niklas Berroth erfolgreich bei der Europameisterschaft der Berufe in Graz.

Die Euro Skills Graz 2021 kann die Deutsche Berufe-Nationalmannschaft als Erfolg verbuchen: In zwölf Disziplinen gab es Medaillen für die Teilnehmer. Auch Steinmetz Julian Wally erkämpfte sich bei den dreitägigen Wettbewerben einen Platz auf dem Treppchen. Ins heimische Siegelsbach (Landkreis Heilbronn) kehrte der 24-Jährige mit einer Bronzemedaille im Gepäck zurück. 

Fünf Wochen Vorbereitung

Im Vorfeld hatte Julian Wally nicht mit einer Medaille gerechnet. Schließlich steckt er mitten in der Meisterausbildung. „Ich habe meine Sommerferien zur Vorbereitung genutzt und vier bis fünf Wochen trainiert“, so Wally. Ein paar freie Tage hat er sich aber auch gegönnt. „Das habe ich aus der Teilnahme bei den World Skills in Kazan 2019 gelernt. Man muss auch mal abschalten. Wenn man den Sieg zu sehr will, ist das nicht gut“, sagt er.

Im Vergleich zu den World Skills seien die Euro Skills schon familiärer gewesen. „Man war auch entspannter, weil man wusste, was auf einen zukommt“, ist sich Wally sicher. Trotzdem unterlief ihm im Wettbewerb am dritten Tag ein Fehler bei der Übertragung der Maße aus dem Plan auf sein Werkstück. „Ich habe zwei Millimeterangaben zusammengerechnet und dadurch eine Fläche zu tief ausgearbeitet“, erklärt er. Da es im Wettbewerb auf jeden Millimeter ankommt, gab es Punktabzug. Besonders ärgerlich, da ihn nur zwei Punkte von der Silbermedaille trennten.

Zwei Männer in dunklem Sakko, weißem Hemd und Fliege strahlen in Kamera. Mann rechts hält eine Bronzemedaille in der Hand.
WorldSkills Germany/Frank Erpinar

Persönlicher Gewinn

Trotzdem schaut er positiv auf den Wettbewerb zurück. Denn auch persönlich hat die Erfahrung ihn weitergebracht: „Neben dem Respekt der Kollegen, lernt man auch mit Herausforderungen umzugehen, Druck auszuhalten, sich auf eine Sache zu fokussieren und Durchhaltevermögen.“ 

Deswegen findet er es schade, dass im Steinmetz-Handwerk die Wettbewerbe kaum unterstützt werden. „Das ist doch eine super Möglichkeit, um junge Menschen für das Handwerk zu begeistern und eigene Talente zu fördern“, findet er. Obwohl seine Karriere als Wettkämpfer jetzt erstmal endet, will er sich gemeinsam mit seinem Trainer und einem weiteren ehemaligen Teilnehmer dafür einsetzen, dass sich das in Zukunft ändert.

Drei Männer in Zunftkleidung und Schutzhelm stehen mit Daumen-hoch-Geste in Baustellenumfeld. Zwei halten deutsche Fahne hoch
WorldSkills Germany / Frank Erpinar

Zweiter Platz aber kein Silber

Niklas Berroth aus Sulzbach-Laufen (Landkreis Schwäbisch Hall) landete im Team mit Julian Kiesl in der Disziplin Stahlbetonbauer/in auf dem zweiten Platz. Weil dort nur vier Teams angetreten waren, wurde nur die Goldmedaille verliehen. „Da ist man mit dem zweiten Platz wirklich der erste Verlierer,“ ärgert sich der 23-Jährige. Weil die beiden 719 von 800 möglichen Punkten erreichten – nur sieben Punkte weniger als das Team aus Österreich - gab es zumindest eine Exzellenzmedaille für herausragende Leistungen. 

Dabei ist der Wettbewerb für das Team Betonbau reibungslos gelaufen. Ihre Aufgabe bestand aus drei Modulen. Beim dritten Modul, einem sogenannter Bewehrungskorb, der im Betonbau zur Verstärkung dient, war wohl eine Achse minimal verschoben. „Ich kann bis heute nicht genau sagen, was nicht stimmte. Die Maße haben gepasst. Wir haben am Ende alles nochmal nachgemessen“, betont Berroth.

Weiter mitwirken

Trotzdem ist das eine Erfahrung, die er aus den Wettbewerben in seinen Beruf mitnimmt: „Man lernt sehr genau zu arbeiten, wenn alles auf den Millimeter passen muss.“ Auch der Austausch mit anderen sei immer spannend. Deshalb würde er mit Julian Kiesl auch bei den nächsten Wettbewerben wieder antreten. „Aber ich darf nicht mehr. Nach einmal World Skills und Euro Skills ist Schluss“, so Berroth. Es gibt aber bereits Pläne, dass das „Beton-Dreamteam“ als Trainer weiter am internationalen Erfolg des Handwerks mitwirken soll.

  Weitere Informationen

Die nächsten Euro Skills finden 2023 in Russland statt. Bereits im nächsten Jahr sind die World Skills in Shanghai geplant. Weitere Informationen und viele Bilder der Wettbewerbe gibt es unter

  www.worldskillsgermany.com.